Die Proteste in den vergangenen Tagen von Berlin bis Rosenheim haben deutlich gemacht, wie präsent das Thema in unserer Gesellschaft ist. Aber auch, wie schwierig es (geworden) ist, sich Klarheit zu verschaffen. Angesichts der Informationsflut auf allerlei Kanälen, der oftmals großen Verunsicherung und auch Angst wissen viele Menschen nicht mehr, welchen Darstellungen sie vertrauen und was sie glauben sollen.

Neon – Prävention und Suchthilfe Rosenheim und die Sparkassenstiftungen Zukunft für Stadt und Landkreis Rosenheim haben rund 200 interessierte Bürgerinnen und Bürger zu einem Online-Infoabend eingeladen, welcher den Anspruch in den Vordergrund gestellt hat, gegenseitiges Verständnis zu fördern.

 

Einführung und Grußworte (Alexa Hubert, Benjamin Grünbichler)

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Vortrag: Warum wir alle Verschwörungstheoretiker sind (Ingo Leipner)

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Vortrag: Fake-News – Lügen sind spannend, die Wahrheit ist langweilig! (Cem Karakaya)

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Warum wir alle Verschwörungstheoretiker sind!

Im Vortrag zeigte der Buchautor und Journalist Ingo Leipner auf, dass Verschwörungstheorien zu allen Zeiten und in allen menschlichen Gesellschaften vorkommen. Das Bedürfnis, komplexe Ereignisse in einfache kausale Zusammenhänge zu setzen ist nur eine von vielen Eigenheiten, die den Blick auf Weltereignisse einengen können. Leipner führte die Zuschauer in einige Fachbegriffe der Psychologie ein, um das Verständnis für bestimmte Verhaltensweisen bei sich und anderen zu erklären: Das Bedürfnis, Sinn auch in zufälligen Strukturen zu suchen. Die Unterstellung, menschliches Verhalten sei immer absichtsvoll. Und: assoziative Schnellschüsse, die oft danebengehen. Das Bewusstsein über diese Mechanismen kann das Urteilsvermögen schärfen und gleichzeitig mehr Toleranz für Andersdenkende fördern. Dabei ist es wichtig, Perspektiven zu wechseln und eine Fragehaltung zu entwickeln – statt einfach „Aluhüte“ zu verteilen.

Leipner machte auch klar, dass es nicht in Ordnung ist, Menschen, die nicht mit der „offiziellen“ Meinung konform gehen, pauschal als Verschwörungstheoretiker zu bezeichnen. Dennoch sollte man sich klar von Personen distanzieren, die mit kruden Thesen und einer Rhetorik der Angst Andere manipulieren wollen, indem sie beispielsweise Menschen in „Schlafschafe“ und „Erwachte“ unterteilen, weil sie für sich einen absoluten Wahrheitsanspruch geltend machen. Dieser Anspruch ist jedoch kein exklusives Phänomen von Verschwörungsanhängern. Zudem existieren auch echte Verschwörungen, wie beispielsweise im Vorfeld des Irakkriegs 2003, für dessen Rechtfertigung Bilder von Massenvernichtungswaffen der Bevölkerung vorgegaukelt wurden.

Fake-News: Lügen sind spannend – die Wahrheit ist langweilig

Der ehemalige Interpol-Agent Cem Karakaya zeigte sehr anschaulich, dass Medien nie in einem machtfreien Raum agieren. Ständig sind wir Menschen den verschiedensten Einflüssen ausgesetzt. Beginnend bei Werbebotschaften („More doctors smoke camels than any other cigarette“) bis hin zur bewussten Manipulation durch Staatsorgane („Massenvernichtungswaffen im Irak“). Aber nicht jede Fake-News ist gleich. Manche Nachrichten werden bewusst mit falschen Informationen gespickt, um gegen andere Menschen zu hetzen oder allgemeingültige Fakten als Lüge darzustellen. Andere lassen einfach bestimmte Informationen weg, um so ein einseitiges Bild und Gefühl von Angst, Wut oder Ohnmacht in den Köpfen der Menschen zu erzeugen. Am Beispiel eines Presseartikels über rücksichtlose Mallorca-Urlauber bediente sich eine Zeitung eines Archiv-Bildes von 2018, das während der Corona-Einschränkungen angeblich einen vollen Strand mit Urlaubern in 2020 zeigt, um die Empörung der Leser zu entfachen. Herr Karakaya zeigte das Dilemma des sogenannten click-baiting auf, in denen heutige Medien stecken: Sensationell klingende Überschriften verschaffen einem Artikel tendenziell mehr Leser, als gut recherchierte Beiträge mit seriösen Bezeichnungen. „Um sich dem Wahrheitsgehalt eines Artikel anzunähern, muss man auch andere Artikel zu dem Thema lesen, von möglichst unterschiedlichen Quellen“ mahnte der Cybercrime-Experte und gab den Zuhörenden weitere Tipps, um Fake-News zu entlarven.

Absolute Wahrheit ist ein Fake

Benjamin Grünbichler, Geschäftsführer von Neon und Moderator der Veranstaltung fasste den Abend folgendermaßen zusammen: „Die Annäherung an die Wahrheit erfordert das ständige Hinterfragen der eigenen Position und das Bewusstsein, dass es so etwas wie absolute Fakten leider nicht gibt. Die Fähigkeit, den Blickwinkel des Gegenübers einzunehmen hilft dabei, dass ich Andersdenkende und Andersfühlende nicht abwerten muss. Letztendlich muss man jede Information, unabhängig von Quelle und Absender, stets genau prüfen.“