Home-Schooling, Social-Distancing und überforderte Erziehungsberechtigte haben in den letzten Monaten ein bereits häufig bestehendes Problem verstärkt: Die exzessive Mediennutzung bei Kindern und Jugendlichen. Während den Corona-Lockdowns gab es laut einer Studie der DAK einen drastischen Anstieg der Gamingzeiten um 75 Prozent und der Social-Media-Aktivitäten um 66 Prozent. Für viele Heranwachsende war und ist das Internet der Ersatz für reale Kontakte. Diese sind gerade in der Kindheit und Jugend für eine gesunde Entwicklung von zentraler Bedeutung. Das Ausweichen der „Kontaktpflege“ auf Online-Tätigkeiten hat allerdings einen Preis – vielen jungen Menschen fällt es sehr schwer, selbständig die Internetzeit auf ein verträgliches Maß zu reduzieren. Eine Folge der fehlenden Selbstregulation ist der tägliche Kampf mit den Eltern um das „richtige“ Maß.

In der Rosenheimer Region unterstützen die Erziehungsberatungsstelle der Caritas und die Suchthilfe- und Präventionseinrichtung neon Familien im Umgang mit der exzessiven Mediennutzung. Beide Fachstellen verzeichnen seit dem ersten Lockdown eine gestiegene Nachfrage. Um den hilfesuchenden Familien sowohl die Expertise aus der Erziehungsberatung, als auch die der Suchthilfe gleichermaßen zu ermöglichen, haben beide Einrichtungen das Projekt „Medienmündig trotz Corona“ ins Leben gerufen. Der Leiter der Erziehungsberatungstelle Manfred Jahn und der Paar- und Familientherapeut Michael Huber veranstalten im sechs-Wochen-Rhythmus einen Themenabend für hilfesuchende Familien. Die Besonderheit an diesem Abend ist, dass die Erziehungsberechtigten sowohl in Ihrer Erziehungskompetenz gestärkt werden und gleichzeitig für die Gefahren der Mediensucht sensibilisiert werden.

„Wir haben uns bei diesem Format bewusst für eine Online-Veranstaltung entschieden, damit Eltern von zu Hause aus, auch ohne Babysitter daran teilnehmen können“, so Manfred Jahn. Für den nächsten Themenabend sind bereits zehn Familien angemeldet. Die Teilnahme am Projekt ist kostenfrei, da beide Fachstellen aus staatlichen und kommunalen Mitteln gefördert werden. Die Erziehungsberechtigten können auf Wunsch auch mehrmals an den Themenabenden teilnehmen und bei Bedarf auch individuelle Termine mit den Fachstellen vereinbaren.

„Vor allem der Austausch der Eltern untereinander ist unglaublich wertvoll. Zu sehen, dass auch andere Familien vergleichbare Situationen daheim erleben, erleichtert ungemein“, so die Praxiserfahrung von Michael Huber. Konkret erfahren die Erziehungsberechtigten bei „Medienmündig trotz Corona“ wie man mit seinen Kindern einen Mediennutzungsvertrag positiv formuliert, wie man angemessen auf Grenzüberschreitungen reagiert und wie eine gute Beziehung in der Familie wiederhergestellt oder erhalten werden kann.

Interessierte Eltern können sich direkt an neon wenden.